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Ausprobiert! So funktioniert Ziegen-Yoga

Ziegenyoga Honey Sweetie Acres
Ziegenyoga ist genau so wie es klingt. Wir haben es ausprobiert. (Foto: Honey Sweetie Acres)
Marinela Potor
geschrieben von Marinela Potor

Hast du schon mal was von Ziegen-Yoga gehört? Es ist genau das, wonach es klingt, Yoga mit Ziegen. Verrückt? In den USA ist es ein Riesen-Trend. Wir wollten wissen, was es damit genau auf sich hat – und haben es ausprobiert.

„Die Yogastunde ist heute in der Scheune!“ Mit diesen Worten begrüßt uns Steve Bauscher auf seiner Ziegenfarm.

Steve Bauscher leitet gemeinsam mit seiner Frau, Regina Bauscher, die Honey Sweetie Acres Farm in Goshen, einem kleinen Ort in der Nähe von Cincinnati, im US-Bundesstaat Ohio.

Die Bauschers haben sich vor etlichen Jahren auf die Zucht von Nigerianischen Zwergziegen spezialisiert.

Denn irgendwann hatte Steve Bauscher den Stress der großen Stadt satt und zog zurück aufs Land, wo er als Kind aufgewachsen war. Da seine Familie schon immer Ziegen hatte, war für ihn klar: Er wollte eine Ziegenfarm.

Die Ziegen hier werden aber nicht für das Fleisch, sondern für ihre besonders fetthaltige Milch gezüchtet.

So ist Honey Sweetie Acres landesweit für seine preisgekrönten Seifen und Schönheitsprodukte aus Ziegenmilch bekannt. Und seit Neuestem – auch für ihr Ziegen-Yoga.

Manchmal tragen die Ziegen einen Schlafanzug

Dieses Nebengeschäft starteten die beiden vor etwa drei Jahren, erzählt Steve Bauscher. „Meine Frau und ich haben eine Reportage über die Erfinder des Ziegen-Yogas in Oregon gesehen. Da hab ich zu meiner Frau gesagt, das müssen wir auch machen. Sofort.“

Wenige Wochen später gab es auf Honey Sweetie Acres Ziegen-Yoga. In den ersten Jahren waren sie damit die einzigen, die ein solches Angebot in der Region hatten. Der Andrang war entsprechend groß. „Anfangs kamen sogar Interessierte aus anderen Bundesstaaten extra dafür angefahren.“

Das Angebot ist immer noch sehr beliebt. Die Klasse ist mit 20 Schülern voll ausgebucht. Bis auf einen Ehemann sind wir eine reine Frauengruppe.

Die meisten kommen zum ersten Mal. Sie haben irgendwo von Ziegen-Yoga gehört und sind neugierig, was genau dahinter steckt. Die wenigsten Teilnehmer kommen regelmäßig.

„Es ist natürlich eine Modeerscheinung, die auch irgendwann vorbei sein wird. Doch bis dahin möchten wir das voll ausnutzten“, erklärt Steve Bauscher.

Das scheint gut zu klappen. Die Ziegen-Yoga-Stunden finden in den Sommermonaten am Wochenende statt. Doch darüber hinaus bieten die Bauschers unter der Woche auch Ziegen-Yoga für Unternehmen, Schulen und Geburtstagsfeiern an.

Für Pyjama-Partys mit kleinen Kindern habe die ein oder andere Ziege sogar mal einen Schlafanzug an, verrät Steve Bauscher. Das einzige, was sie nicht mitmachen: Ziegen-Yoga in der Brauerei. Dafür hatten sie tatsächlich mal eine Anfrage.

Die Stunde heute findet zum Glück weder mit Bier noch mit Ziegen in Kostümen statt, dafür aber in der Scheune, weil es in den letzten Tagen so stark geregnet hat und es draußen sehr matschig ist. Normalerweise trifft man sich auf der Wiese.

Wir gehen also alle in die Scheune und das Erste, was man hört, ist Kreischen. Entzücktes Kreischen. „Oh, guck mal diese hier!“ „Wie süß!“ „Wie niedlich!“ Wir sind hin und weg von unseren niedlichen tierischen Yoga-Begleitern.

Ziegen hinterm Gatter

Noch sind die süßen Zicklein hinterm Gatter…

Noch sind die kleinen Ziegen hinter einem Gatter und wirken relativ entspannt. „Heute lassen wir nur die Babyziegen heraus“, erklärt Steve Bauscher, „mit den großen Ziegen wird das in der Scheune zu viel Trubel.“

Er weiß, wovon er spricht.

Auf einmal spüre ich etwas Feuchtes im Gesicht

Denn kaum haben wir es uns auf unseren Matten bequem gemacht und starten mit den ersten Übungen, geht es schon los.

Ich liege in einer Entspannungspose auf dem Rücken, die Augen sind geschlossen. Auf einmal spüre ich etwas Feuchtes in meinem Gesicht.

Die erste Ziege sagt „hallo“.

So geht es nicht nur mir…

Ziegenyoga in der Scheune

Hallo, Ziegen!

Da ist es mit der Entspannung eigentlich auch schon vorbei. Denn von überall hört man nun Lachen, Prusten und begeisterte Ausrufe. Die Ziegen sind los!

Die Teilnehmerinnen haben nur darauf gewartet und zücken schon ihre Smartphones für die ersten Selfies beim Ziegen-Yoga.

Auf zur nächsten Pose, diesmal auf dem Bauch. Plötzlich fangan alle an zu kreischen. Denn spätestens jetzt hat fast jede von uns eine kleine Ziege auf dem Rücken.

Ziegenyoga Ziege auf dem Rücken

Eine Ziege auf dem Rücken ist angenehmer als es klingt.

Tatsächlich ist das angenehmer als es klingt. Im ersten Moment erschrecke ich mich kurz. Danach sind die kleinen Hufe auf dem Rücken aber wie eine angenehme Massage. Die Yoga-Lehrerin lässt sich bewusst Zeit, bevor es weitergeht.

Die Stunde ist auf Anfänger-Niveau und das ist auch gut so. Denn erstens ist es unglaublich schwierig die Lehrerin zwischen Ziegengemecker und begeisterten Aufrufen gut zu verstehen.

Zweitens möchte ich mir nicht vorstellen, einen Kopfstand zu machen und dann plötzlich von einer Ziege angesprungen zu werden.

Drittens: Es ist ziemlich schwer sich bei all dem Trubel zu konzentrieren.

Yogi-Modus oder Ziegen-Modus?

Du hast im Prinzip zwei Möglichkeiten beim Ziegen-Yoga. Entweder schaltest du voll auf Yogi-Modus und blendest alles um dich herum aus. Das probiere ich direkt am Anfang und es klappt überraschend gut.

Dann stellt sich aber die Frage: Was will man beim Ziegen-Yoga, wenn man die Ziegen ignoriert? So gebe ich dann recht schnell der zweiten Option und dem ersten Impuls nach: Mich komplett von den Ziegen ablenken zu lassen.

So merke ich gerade noch rechtzeitig, dass sich gerade zwei Ziegen an meinen Schnürsenkeln zu schaffen machen und – ach du Schreck! – da ist ein kleiner Fladen auf meiner Matte.

Hilfe!!!

Na, man ist hier ja sozusagen in freier Wildbahn. Damit muss man wohl rechnen. Steve Bauscher erklärt mir später, dass Teilnehmer, die … nun ja … die volle Ladung direkt abbekommen, ein freies Seifenstück mit nach Hause nehmen dürfen.

Man muss es einfach mit Humor nehmen. Sicherheitshalber wäre aber mein Tipp: Lass bei den Übungen lieber die Augen geöffnet.

Ziegen-Yoga ist nichts für Scheue

Das erspart dir auch so manch andere Schrecksekunde. Wie zum Beispiel diese hier. Ich knie auf dem Boden, mein Kopf ist vornüber gebeugt. Plötzlich spüre ich nicht nur vier Hufe auf meinem Rücken, sondern auch ein vehementes Ziehen und Zerren an meinem Kopf.

Eine Ziege knabbert gerade an meinen Haaren!

Ich habe noch Glück, dass ich keine besonders lange Mähne habe. Die Frau links neben mir hat mit ihren schulterlangen Haaren ganz andere Probleme.

Man darf also wirklich keine Berührungsängste beim Ziegen-Yoga haben. Denn die kleinen Babyziegen sind völlig hemmungslos.

Eine ihrer Lieblingsübungen scheint dabei diese hier zu sein: Sie springen hoch auf einen Stapel Heuballen und dann – mit vollem Karacho – herunter auf eine Teilnehmerin am Boden.

Ziegen stehen auf einem Heuhaufen

Auf wen sollen wir wohl als nächstes springen?

Auf dem Rücken geht das sogar noch. Doch als zweimal so eine übereifrige Ziege auf meinem Brustkorb landet, tut das doch ganz schön weh.

Gut, dass die größeren Tiere nicht dabei sind, denke ich. Doch die springen gar nicht so viel, erklärt mir Steve Bauscher. Sie machen es sich lieber auf den Yogamatten der Teilnehmer gemütlich.

Und zwar so gemütlich, dass man sie bis zum Ende der Stunde nicht mehr herunter bekommt.

Namast-bäääh!

Die Yoga-Lehrer auf Honey Sweetie Acres sind natürlich entsprechend vorbereitet. Sie geben den Teilenehmern nicht nur viel Zeit mit den Ziegen. Sie wechseln zum Beispiel auch ganz bewusst zwischen Posen am Boden und stehenden Posen.

Stehende Pose Ziegenyoga

Bei den aufrechten Posen kann man sich kurz von den Ziegen erholen.

„Unsere Lehrer wissen mittlerweile ganz genau, bei welchen Posen die Ziegen auf die Teilnehmer springen. Schließlich kommen die meisten ja deswegen zum Ziegen-Yoga. Andererseits braucht man davon auch mal eine Pause. Dafür sind dann die Übungen im Stehen gedacht.“

Nach etwa 60 Minuten unter, über, mit und voller Ziegen ist die Stunde schließlich vorbei und wir sagen brav „danke“, beziehungsweise „Namast-bääääh“.

Fazit: Ein großer Spaß

Obwohl die Stunde sportlich nicht sehr herausfordernd war, bin ich danach fix und fertig. So viele Ziegen auf einmal sind schon anstrengend.

Am Ende brauche ich zwar neue Schnürsenkel und rieche penetrant nach Ziege, aber ich hatte auch richtig viel Spaß!

Mit einer lockeren Einstellung, entsprechender Kleidung (du wirst dreckig!) und einer guten Prise Humor ist Ziegen-Yoga einfach mal was anderes.

Wenn du keine Scheu vor Ziegen hast und Yoga mal in einem komplett neuen Umfeld erleben möchtest, ist es wirklich ein großer Spaß.

Und es ist bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis Ziegen-Yoga auch Deutschland erobert.

Marinela mit Ziege im Arm

Am Ende bleibt ein Lachen: Yoga mit Ziegen macht sehr viel Spaß!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor

Marinela Potor arbeitet schon seit sie denken kann als Journalistin. Seit 2010 tut sie dies als digitale Nomadin freiberuflich und aus aller Welt. Sie schreibt für verschiedene Tech-Magazine, darunter auch BASIC thinking und sie leitet seit 2016 das BASIC thinking Magazin Mobility Mag. Wenn sie mal gerade nicht schreibt, probiert sie gerne neue Rezepte und neue Yoga-Posen und spielt leidenschaftlich gerne Frisbee-Golf.

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